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Arzt äußert sich über PID

Neben dem Ruhrbischof Overbeck kommt auch ein Vertreter der Ärzteschaft zum Thema PID in der WAZ vom 5.7.2011 zu Wort:

Der Essener Reproduktionsmediziner Prof. Thomas Katzorke will Eltern helfen, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen

In meiner Praxis werden jährlich 1800 Punktionen ausgeführt, bei denen für eine künstliche Befruchtung Eizellen gewonnen werden. 600 Mal kommt es zu einer Geburt. Vielleicht zwei bis drei Mal im Jahr sitzen Eltern mit sehr schweren, sehr seltenen Erbkrankheiten vor mir, denen eine Totgeburt oder die Geburt eines Kindes droht, das in den ersten zwei Lebensjahren sterben könnte. Mitunter haben sie bereits ein Kind, das an Mukoviszidose leidet oder einer Muskeldystrophie – Erbkrankheiten, an denen Kinder furchtbar leiden und elendig zugrunde gehen.

Natürlich wünschen sich Eltern ein gesundes Kind, wenn sie in meine Praxis kommen. Diesen Eltern hilft es nicht, wenn man ihnen sagt, „behindert – das ist doch nicht so schlimm“. Wenn beim nächsten Kind ein Wiederholungsrisiko von 25 oder gar 50 Prozent besteht, rate ich den Eltern, die PID in Brüssel an der Uniklinik vornehmen zu lassen.

Das ist besser, als diese Mütter erst schwanger werden zu lassen, um dann bei der üblichen Pränataldiagnostik wie Fruchtwasseruntersuchung, Ultraschall usw. festzustellen, dass das werdende Kind wieder von einer Erbkrankheit betroffen ist. In diesem Fall darf das Kind abgetrieben werden – auch weit nach der 12. Schwangerschaftswoche. Es ist ein Wertewiderspruch, wenn werdenden Eltern nach einer künstlichen Befruchtung eine „Schwangerschaft auf Probe“ mit möglicher Spätabtreibung erlaubt wird, die Diagnostik im Reagenzglas aber verboten bleibt. Immerhin gibt es mehr als 120 000 Schwangerschaftsabbrüche. Dagegen stehen nur 200 erblich vorbelastete Eltern in ganz Deutschland, denen die PID zu einem gesunden Kind verhelfen könnte.

Einfach alles zu verbieten, halte ich für den schlechtesten Weg. Das ist im Übrigen typisch deutsch. Mit dieser Haltung macht es sich der Staat zu einfach.