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Infoseite für PIP- und Rofil-Implantat betroffene Patientinnen

Kontakt bei fehlerhaften Brustimplantaten
Der Franzose Jean-Claude Mas hat zwischenzeitlich zugegeben, dass er für die Produktion von Prothesen seiner Firma Poly Implant Prothèse (PIP) nicht zugelassenes Silikon verwenden ließ. Die mangelhaften Silikon-Füllungen waren fast ein Jahrzehnt lang im Verkauf. Das Unternehmen PIP ging im Frühjahr 2010 pleite, nachdem Risse in den Implantaten und in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von industriellen Kunststoffen aufgefallen war. Weltweit sind bis zu 300.000 Frauen von dem Skandal betroffen. Wie viele davon in Deutschland die schadhaften Implantate erhalten haben, ist unklar.

Als Begründung für die Verwendung von nicht zugelassenem Billig-Silikon ließ Herr Mas über seinen Anwalt sein eigenes Gewinnstreben erklären. Des Weiteren ließ er über seinen Anwalt erklären, dass angeblich von dem eingesetzten Kunststoff keine besondere Gefahr für die Gesundheit ausgehen würde. Einen Beweis, dass die defekten Silikoneinlagen auch krebserregend seien, gebe es bisher nicht.

Zwischenzeitlich haben die französischen Behörden die betroffenen rund 30.000 Frauen aufgefordert, sich die PIP-Silikoneinlagen wieder entfernen zu lassen. Die Entfernung aller PIP-Implantate wird in Frankreich geschätzte 60 Millionen Euro kosten. Diese werden überwiegend von den Krankenkassen übernommen werden. Für neue Implantate wird der Staat allerdings nur in den Fällen aufgekommen, bei denen aus medizinischen Gründen PIP-Implantate eingesetzt wurden, etwa nach einer Brustkrebs-Operation. Die große Mehrheit der französischen Frauen dürfte damit auf den Kosten sitzen bleiben. Medizinberichten zur Folge wurden die PIP-Einlagen in etwa 80 % aller Fälle bei reinen Schönheitsoperationen eingesetzt. PIP war einst weltweit Nummer 3 bei den Brustimplantaten. Die Firma war durch Konkurrenzprodukte unter Druck geraten. Um die Kosten zu senken, setzte die Firma offenbar nicht zugelassenes Industriesilikon ein und sparte so angeblich rund 1 Million Euro jährlich. Das Silikon aber belastete die Hülle der Implantate stärker, so dass es vielen Fällen zu einem Riss derselben kam. Im Vergleich mit Produkten anderer Hersteller, im Durchschrift mit einer Haltbarkeit von 10 Jahren, rissen die PIP-Prothesen deutlich häufiger und früher.

Es wurde zwischenzeitlich deutlich Kritik geübt an den verantwortlichen Prüfern – wie etwa am TÜV Rheinland -, der den PIP-Implantaten sein Gütesiegel gegeben hatte. Man sei selbst getäuscht worden, so ein Sprecher der Kölner Prüfer. Bei der PIP sei nur das Qualitätssicherungssystem der Firma geprüft worden. Das Produkt selbst wurde nicht untersucht. Beim letzten Check im Jahre 2009 sei lediglich die Anwesenheit des richtigen Silikons festgestellt worden.

PIP Implantate seit 12 Jahren in der Kritik

Diese Einlassungen überzeugen allerdings aufgrund der Tatsache nicht, dass die US-Gesundheitsbehörde (FDA) die PIP-Produkte schon vor 12 Jahren aufgrund von Mängeln kritisiert hatte. Anfang 2000 hatte ein Inspektor der vorgenannten Gesundheitsbehörde eine französische PIP-Fabrik besichtigt und unbefriedigende Ergebnisse mitgebracht, bestätigt die FDA-Sprecherin Frau Erica Jefferson der Nachrichtenagentur dpa. Danach habe man Firmengründer Mas in einem Schreiben auf mehrere Produktionsfehler und Mängel hingewiesen.

Nachdem die Angelegenheit zuerst verharmlost worden war mit dem Rat, die betroffenen Frauen sollten einmal im Jahr das Implantat ärztlich untersuchen lassen, liegt zwischenzeitlich eine gemeinsame Erklärung deutscher Mediziner zu der vorsorglichen Entfernung von Brust-Implantaten der französischen Firma PIP vor. Gleiches gilt für die weiteren sog. M-Implantate des niederländischen Anbieters Rofil.

Eine Expertenkommission hatte klargestellt, dass Frauen, die keine vorsorgliche Entfernung durchführen lassen, zukünftig mit einer Riss-Gefahr, der Gefahr einer falschen Sicherheit beim Bildgebungsverfahren, sowie mit dem Risiko eines komplizierten neuen Eingriffs leben müssen. Zudem bestehe das Risiko, dass das in den Implantaten verwendete Billig-Gel giftig sein könnte. Auch gibt es zwischenzeitlich Hinweise darauf, dass die Billig-Implantate verstärkt „ausschwitzen“ und damit Silikon durch die Hülle hindurch in den Körper abgegeben wird.

Nach der vorgenannten Empfehlung, Billig-Brustimplantate der französischen Firma PIP ebenso wie die des Anbieters Rofil entfernen zu lassen, ist zwischenzeitlich eine Debatte über die Kostenübernahme entbrannt. Das Bundesgesundheitsministerium sieht grundsätzlich die Kassen in der Pflicht. Diese wollen nach rein ästhetischen Operationen eine volle Kostenübernahme aber nicht garantieren und erwarten eine Beteiligung von Schönheits-Chirurgen.

Insoweit bleibt die weitere Entwicklung abzuwarten.

Betroffene Patientinnen sollten sich in jedem Fall qualifizierter anwaltlicher Hilfe eines Fachanwaltes für Medizinrecht bedienen, um die Ansprüche bezogen auf den immateriellen und den materiellen Schadensersatz durchzusetzen.

Für eine qualifizierte Beratung und eine weitere sachgerechte Bearbeitung Ihres Problems steht Ihnen Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Bernd Podlech-Trappmann jederzeit zur Verfügung.

Einzelfälle müssen geprüft werden

In dem bundesweit ersten Prozess um mangelhafte Brustimplantate aus Frankreich haben die Verfahrensbevollmächtigten der Klägerin, die ein Schmerzensgeld bis zu 30.000,00 Euro fordert, vor dem Landgericht in Karlsruhe nach Äußerungen des zuständigen Gerichts wenig Hoffnung auf Erfolg.

Der Klägerin wurden im April 2007 von einem Facharzt die Implantate des französischen Herstellers PIP eingesetzt. Sie zog vor Gericht, nachdem 2010 bekannt wurde, dass die Firma verbotenerweise die Implantate mit billigem Industriesilikon befüllt hatte und die Silikonkissen häufig reißen.

Die Verfahrensbevollmächtigten der Klägerin hatten sich entschieden, fünf Parteien als Beklagte anzugeben, wobei unter anderem der behandelnde Arzt der Klägerin sowie die Bundesrepublik Deutschland gehören.

Das Gericht machte zum Prozessauftakt deutlich, dass die Mehrheit der Beklagten voraussichtlich nicht zu Schadensersatz verpflichtet sind, dies gilt insbesondere für die französische Haftpflichtversicherung der insolventen Firma PIP. Diese ist für Schadensfälle nur auf französischem Boden zuständig.

Ebenso wenig kann dem Richter zufolge die Bundesrepublik Deutschland auf dem Wege der Amtshaftung für das Bundesinstitut für Arzneimittel verantwortlich gemacht werden.

Der TÜV Rheinland, der die Implantate auf Sicherheit überprüft und zertifiziert hatte, kommt womöglich ebenfalls aus der Haftung. Dazu muss er dem Gericht zufolge anhand von früheren Protokollen nur nachweisen, dass er seine üblichen Kontrollpflichten bei Besuchen der PIP in Frankreich erfüllte.

Nach Angaben des Gerichts kommt allenfalls eine Haftung des verantwortlichen Arztes in Betracht. Die Klägerin fordert ein Schmerzensgeld bis zu 30.000,00 Euro.

Im Ergebnis steht fest, dass bezogen auf die vorgenannte Problematik jeder Einzelfall sorgfältig zu überprüfen ist, ob Ansprüche für die betroffene Patientin – und gegen wen – durchsetzbar sind.

Die Betroffenen sollten sich an einen qualifizierten Fachanwalt im Bereich des Medizinrechts wenden, zu denen unter anderem auch der Inhaber der Homepage gehört.