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Klageschrift: Vermuteter Behandlungsfehler

Klage

der Erbengemeinschaft …

– Klägerinnen –

Verfahrensbevollmächtigte: Rechtsanwälte Bernd Podlech-Trappmann und Simone Kühnke, Wullener Feld 6 a, 58454 Witten

gegen

1. den Chefarzt Prof. Dr. …

– Beklagter zu 1. –

2. …

– Beklagte zu 2. –

wegen: Schmerzensgeld, Schadensersatz sowie Feststellungsantrag aufgrund von groben
Behandlungsfehlern während des stationären Aufenthalts ihres zwischenzeitlich
verstorbenen Vaters, Herrn Dr. …, im vorgenannten Krankenhaus in der Zeit ab dem
… zum Zwecke der Feststellung des Haftungsgrundes

vorläufiger Streitwert: …

Namens und in Vollmacht der Klägerinnen erheben wir Klage und werden beantragen,

1. die Beklagten gesamtschuldnerisch und kostenpflichtig zu verurteilen, an die Klägerinnen ein vom Gericht als angemessen erachtetes Schmerzensgeld nebst Zinsen hieraus in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz gemäß § 247 BGB seit Rechtshängigkeit zu zahlen.

2. festzustellen, dass die Beklagten gesamtschuldnerisch verpflichtet sind, den Klägerinnen sämtlichen materiellen Schaden zu ersetzen aus den grob fehlerhaften Behandlungen ihres Vaters … in dem … betreffend den Zeitraum ab dem …, soweit die materiellen Schadensersatzansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige Dritte übergegangen sind bzw. noch übergehen werden.

Begründung:

Die Klägerinnen sind Geschwister und machen in Form einer Erbengemeinschaft nach dem Ableben ihres Vaters, …, geboren am … und verstorben am … immateriellen und materiellen Schadensersatz geltend infolge grob schuldhafter Versäumnisse verursacht durch den Beklagten zu 1. im Zusammenhang mit dem stationären Aufenthalt ihres Vaters im … beginnend ab dem ….

Zur Information des Gerichts teilen wir mit, dass der Unterzeichnete das Mandat erst … übertragen bekommen hat. Die hinter den Beklagten stehende Haftpflichtversicherung, die …, zuständige Sachbearbeiterin Frau … zu Schadennummer: … hat auf die Einrede der Verjährung bis einschließlich zum … verzichtet.

Im Einzelnen wie folgt:

I. Sachverhalt

Operative Versorgung des Erblassers wegen einer Tumornephrektomie rechts

im Jahre …

Unter Bezugnahme auf die in Kopie in Anlagen K1 überreichten Behandlungsunterlagen litt der Erblasser an Nierenkrebs. Darunter versteht man im engeren Sinn bösartige Erkrankungen, die dem Funktionsgewebe der Niere (Nierenparenchym) entspringen. Das Nierenzellkarzinom ist der häufigste bösartige Tumor der Nieren, ausgehend vom Epithel verschiedener Nephronabschnitte. Prinzipiell kann an allen Abschnitten eines Nephrons eine maligne Entartung entstehen. Synonyme sind Nierenkrebs, Nierenkarzinom, Nierenzellkarzinom oder auch Adenokarzinom der Niere.

B e w e i s :1. Anlagen K1,
2. Einholung eines Sachverständigengutachtens.

Um die Ausbreitung des Tumors (Staging) und damit die Operabilität zu bestimmen, wird eine Computertomographie des Bauches durchgeführt. Mit Röntgenaufnahmen der Brust (Thorax) und gegebenenfalls einer Skelettszintigraphie und einer Gehirn-MRT (Kernspin) lassen sich mögliche Fernmetastasen nachweisen. Erwähnenswert ist, dass sich röntgenografisch Metastasen ab einem Zentimeter Durchmesser erfassen lassen, was der Computertomographie eindeutig den Vorzug gibt.

Bei größeren Tumoren (Stadium T2 bis T4) wird die ganze Niere mit Nebenniere, Harn-leiter und dem sie umgebenden Fettgewebe und Kapsel chirurgisch entfernt.

B e w e i s : wie vor.

Der Tumor beim Erblasser war relativ groß und wurde am … durch den Chefarzt der Urologischen Abteilung des … in …, Herrn Prof. …, operativ entfernt.

Wir verweisen erneut auf Anlagen K1, hier insbesondere auf den schriftlichen Operationsbericht und auf das pathologisch-anatomische Gutachten vom … und tragen hierzu vor, dass aufgrund des gegebenen gravierenden Beschwerdebildes bereits zu diesem Zeitpunkt eine Fernmetastasierung bis hin in den Knochenbereich in Aussicht stand, weil allgemein bekannt ist, dass Nierenzellkarzinome in den Knochenbereich metastasieren.

B e w e i s : wie vor.

2. Verlauf ab dem …

Eine Fernmetastasierung bis hin in den Knochenbereich war in jedem Fall am … gegeben, als der Erblasser einen Sturz beim Begehen der häuslichen Wendeltreppe mit der Folge eines Oberschenkelhalsbruchs erlitt.

B e w e i s : wie vor.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt lag eine eindeutige Metastasierung bis in den Knochenbe-reich vor, die zu dem Bruch beim Sturz des Vaters der Klägerinnen geführt hat.

B e w e i s : wie vor.

Der Erblasser war Privatpatient, so dass der Beklagte zu 1. dessen Vertragspartner war. Wir nehmen Bezug auf die in Kopie in den Anlagen K2 überreichten Behandlungsunterlagen. Der stationäre Aufenthalt im …, dessen Trägerin die Beklagte zu 2. ist, begann am … und dauerte zunächst bis zum … an.

Diagnostiziert wurde eine supracondyläre Oberschenkelfraktur rechts (ICD S72.43) sowie eine arterielle Hypertonie (ICD I10.00).

In Kenntnis der Vorgeschichte, dass dem Vater der Klägerinnen wegen des Ardenokarzinoms bereits eine Niere entfernt worden war, hat der Beklagte zu 1. beim Erblasser eine operative Versorgung durchgeführt, welche die Vorgeschichte nicht berücksichtigte und daher in der durchgeführten Art hätte nicht durchgeführt werden dürfen. Dies war grob fehlerhaft.

B e w e i s : 1. Anlagen K2,
2. Einholung eines Sachverständigengutachtens.

Es war nämlich vom Beklagten zu 1. grob behandlungsfehlerhaft, die Versorgung der Defektzone mit einer LISS Platte (OPS 5-793,3h) vorzunehmen, ohne zuvor die zwingend notwendigen Voruntersuchungen durchzuführen.

B e w e i s : wie vor.

Grob fehlerhaft war es insbesondere, in Kenntnis der entfernten Niere mit Ardenokarzinom ohne eingehende Tumorsuche (insbesondere Lungen-CT, PET, Knochenszinti etc.) eine derartige Fraktur in der hier vorliegenden Art operativ zu versorgen.

B e w e i s : wie vor.

Des Weiteren war es grob behandlungsfehlerhaft, postoperativ keine hinreichende Tumor-nachsorge durchzuführen.

B e w e i s : wie vor.

Im Ergebnis steht fest, dass der Beklagte zu 1., für dessen Fehlverhalten auch die Beklagte zu 2. haftet, gegen das sogenannte Dickgedruckte in der Medizin verstoßen hat.

Der Beklagte zu 1. hat es pflichtwidrig unterlassen, eine hinreichende Diagnostik durchzu-führen. Diese hätte einen zwingend interventionspflichtigen Befund, nämlich Fernmetastasen in den Knochen, bestätigt mit der Folge, dass zu Gunsten der Klägerinnen wegen der groben Behandlungsfehler des Beklagten zu 1. eine sogenannte Beweislastumkehr eintritt.

Die Beklagte zu 2. ist Trägerin des … und muss sich das gravierende Fehlverhalten ihres … zurechnen lassen.

B e w e i s : wie vor.

Nach Entlassung aus dem … stellte sich der Erblasser am … wegen der verzögerten Bruchheilung bei Herrn Dr. … in … vor. Nach dessen Diagnose begab sich der Erblasser erneut in die Behandlung des ….

Im … wurde festgestellt, dass auch die verzögerte Frakturheilung offensichtlich auf Knochenmetastasen in dem OP-Gebiet mit Weichteilinfiltration zurückzuführen war, worauf sich der Erblasser sofort in die Behandlung des Universitätsklinikums in …, Prof. …, begab.

B e w e i s : 1. Anlagen K2,
2. Einholung eines Sachverständigengutachtens,
3. Einholung der Krankenunterlagen über die Uniklinik …

Im Rahmen des stationären Aufenthalts im Uniklinikum … wurde durch den vorgenannten Herrn Prof. Dr. … eine Spezialprothese des Oberschenkels und des Kniegelenks (Mutas-Prothese) am … eingesetzt. Im … wurde eine ausgedehnte Lymphadenektomie im Unterbauch vorgenommen und zwar erneut im … in ….

Im … wurde eine ausgedehnte pulmonale Metastisierung beidseits mit einer Kleinhirnmetastase rechts festgestellt. Am … erfolgte eine erneute stationäre Aufnahme im …, wo der Erblasser am … im Alter von nur … Jahren verstarb.

Wäre der Erblasser durch den Beklagten zu 1. ab dem … lege artis behandelt worden, so wäre dieser mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – wenn überhaupt – erst viele Jahre später aufgrund des Grundleidens verstorben, so dass der Beklagte zu 1. in jedem Fall auch den frühzeitigen Tod des Erblassers verursacht hat.

B e w e i s : wie vor.

II. Haftung der Beklagten

Auf der Grundlage des so dargestellten Sachverhalts haften die Beklagten den Klägerinnen gesamtschuldnerisch und sind zum Ersatz des immateriellen und materiellen Schadens ver-pflichtet.

B e w e i s : wie vor.

Den Klägerinnen stehen gegen die Beklagten wegen der schuldhaften Verletzung von Sorgfaltspflichten aus dem Behandlungsvertrag immaterielle und materielle Ansprüche zu, die vom Erblasser auf die Erbengemeinschaft übergegangen sind.

Die vorliegende Klage wird erhoben, um den Haftungsgrund feststellen zu lassen. Daher gehen wir zunächst von einem Schmerzensgeldbetrag in einer Größenordnung von zunächst nur … € aus und setzen für den Feststellungsantrag zu 2. einen Betrag in einer Größenordnung von … € an, so dass der vorläufige Streitwert … € beträgt.

In der Erwartung, dass ein vom Gericht zu bestellender Sachverständiger die Ansprüche der Klägerinnen dem Grunde nach bestätigen wird, gehen wir davon aus, dass im weiteren Verlauf eine abschließende Regelung mit den Beklagten bzw. der dahinterstehenden Haftpflichtversicherung gefunden werden kann.

Podlech-Trappmann
(Rechtsanwalt)